Haltung von Thamnophis spec.
Wenn das Interesse an der Haltung einer Thamnophis
erst mal geweckt ist, gilt es sich vor dem Kauf gründlich über
diese Tiere zu informieren!
Trotz der Lektüre unzähliger Bücher und dem Durchforsten
des Internets bleiben einige Fragen nur unbefriedigend beantwortet. Dies
liegt meist daran, dass sie von Terrarianer zu Terrarianer unterschiedlich
aufgefasst und behandelt werden. Jeder sammelt eigene Erfahrungen und
empfindet seine Vorgehensweise als die richtige.
Ich habe diesen Prozess natürlich auch durchlaufen müssen
und möchte es nun anderen Anfängern etwas erleichtern ihre
Fragen beantwortet zu bekommen.
Vorkommen:
Die gewöhnlich in unseren Terrarien gehaltenen Strumpfbandnattern (Thamnophis spec.) sind, bis auf einige Gebiete im Süden, in ganz
Nordamerika, sowie im Süden von Kanada und teilweise in Mittelamerika anzutreffen.
Sie bevorzugen feuchte Habitate in der Nähe von Flüssen, Seen und Sümpfen.
Unterarten:
Es gibt 12 anerkannte Unterarten von Thamnophis sirtalis wobei Thamnophis
sirtalis sirtalis und Thamnophis sirtalis parietalis zu den
am häufigsten in Gefangenschaft gehaltenen gehören.
Weiter werden noch unterschieden: Thamnophis sirtalis annectens,
concinnus, dorsalis, fitchi, infernalis, pallidulus, pickeringii,
semifasciatus, similis und tetrataenia.
Neben sirtalis werden noch 29 weitere Arten von Thamnophis unterschieden,
wobei hier am bekanntest Thamnophis radix und Thamnophis marcianus marcianus sind. Des Weiteren werden noch häufig
Thamnophis sauritus sauritus und Thamnophis proximus proximus in Deutschland gehalten.
Aussehen:
Um das Aussehen dieser Art zu beschreiben würde der Platz an
dieser Stelle nicht ausreichen.
Die verschiedenen Unterarten zeichnen sich durch immense Farbvariationen
aus und machen es unmöglich eine allumfassende Beschreibung zu liefern.
Allen gemein sind allerdings die meist hell abgesetzten dorsal- (Rücken)
und lateral- (Seiten) Streifen, denen die Thamnophis den Namen
Strumpfbandnatter verdanken.
Größe:
Bei Thamnophis spec. bleiben die Männchen
deutlich kleiner, als die Weibchen. Ein Männchen ist schon mit 70
cm gut gewachsen, wobei ein Weibchen durchaus über einen Meter erreichen
kann. Natürlich gibt es artspeziefische Unterschiede. Bei diesen Angaben halte ich mich an die gängigsten Thamnophis spec. (s.o.)
Aktivität und Umgang:
Die meisten Thamnophis spec. zeichnen sich durch Tagaktivität aus. Es sind gut zu beobachtende und umgängliche Schlangen. Nach einer
kurzen Eingewöhnungsphase ist es meist kein Problem adulte Tiere zu handhaben. Sie sind friedlich und lassen sich sogar zum Fressen von der Pinzette bewegen.
Gewöhnlich verteidigen sich Thamnophis durch Absondern eines übelriechenden Sekrets. Dieses Verhalten wird nach Gewöhnung an den Halter aber
rasch abgelegt.
Sehr selten kommt es zu einem Biss durch Thamnophis spec. . Meist wird solch eine Reaktion durch falsche Handhabung oder Futtergeruch im Terrarium
provoziert.
Terrarium:
Bei den Angaben zum Terrarium gehe ich von einer angemessenen Zuchtgruppe aus. Bei Thamnophis sollte hierbei ein überschuss an Männchen
vorhanden sein, sich eine Zuchtgruppe also mindestens aus 2,1 (2 Männchen, 1 Weibchen) zusammensetzen. Für solch eine adulte Zuchtgruppe ist schon ein
Terrarium von 100 x 50 cm Grundfläche ausreichend. Die Höhe spielt keine Übergeordnete Rolle und wäre mit 50 cm gut bemessen.
Thamnophis spec. sind keine großartigen Kletterer, nutzen aber ab und an doch gerne einen bereitgestellten Kletterast oder einen Steinaufbau zum
Ausruhen.
Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit:
Die Temperaturen für diese Schlangen sollten tagsüber zwischen 25 °C und 30 °C liegen, wobei die 30 °C nur am wärmsten Punkt um
einige Grade überschritten werden dürfen. Nachts reicht eine Absenkung auf Zimmertemperatur. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 45-55 % gut bemessen.
Während der Häutungsphase kann die Luftfeuchtigkeit leicht angehoben werden, um die Häutung zu erleichtern.
Das Licht soll den natürlichen Tag/Nacht-Zyklus simulieren. Hierzu reicht die Installationen einer handelsüblichen Leuchtstoffröhre mit
Tageslichtröhre. Möchte man lebende Pflanzen in seinem Terrarium pflegen ist eine entsprechende Berücksichtung der Anforderungen der
jeweiligen Pflanzen von Nöten.
Zusätzlich zur Leuchtstoffröhre sollte noch ein Spot integriert werden, wobei immer darauf zu achten ist, dass ein Temperaturgefälle im
Terrarium herrscht, um den Schlangen den Rückzug in ein bevorzugtes Temperaturspektrum zu ermöglichen. Gerne wärmen sich die
Thamnophis am Morgen im Lichtkegel des Spots auf, ziehen sich dann aber in einen kühleren Bereich des Terrariums zurück.
Auf die Installation von Heizsteinen und Heizmatten kann bei Thamnophis verzichtet werden. Bei der Installation von technischen Geräten sollte
immer darauf geachtet werden, dass diese außerhalb der Reichweite der Schlangen liegen. Am besten werden Spots und Leuchtstoffröhre außerhalb des Terrariums
angebracht.
Einrichtung:
Bei der Einrichtung eines Thamnophis-Terrariums ist immer
daran zu denken, dass dieses häufig gereinigt werden muss, also
auch alle Einrichtungsgegenstände leicht zu reinigen oder zu ersetzen
sein sollten.
Es bieten sich besonders Korkröhren und -platten als Verstecke
an und Plastikschalen als Trink-, Futter- und Badegefäss.
Als Bodengrund bieten sich Borkenspäne und Buchenspäne
an. Der Bodengrund sollte niemals feucht sein, da dies nur die Bildung
von Bakterien und Pilzen fördern würde und somit zum Erkranken
des Tieres führen könnte. Es ist ein Irrglaube, dass Thamnophis
es "möglichst feucht" haben möchten. Ein großzügiges
Badegefäss reicht völlig aus.
Futter:
Thamnophis haben ein sehr weit gefechertes Nahrungsspektrum.
In der freien Natur fressen sie Fisch, Würmer, Mäuse, Schnecken,
Amphibien und kleine Vögel. Im Terrarium können wir dies natürlich
nicht bieten. Alleine schon aus artenschutzrechtlichen Gründen.
Leicht zu beschaffen und zum Füttern gut geeignet sind Stinte
und Mäuse. Beides kann man tot anbieten und in gefrorenem Zustand
im Zoohandel kaufen oder sogar hervorragend im Internet bestellen. Leider
verlieren diese Futtertiere durch das Einfrieren viele Vitamine, so dass
es notwendig wird diese durch Zugabe von Vitaminpräparaten unseren
Tieren zu verabreichen!
Hierbei bieten sich die pulverförmigen an, da hiermit die
Futtertiere gut bestäubt werden können und die so präparierten Tiere
meist ohne Probleme von den Schlangen gefressen werden
Winterruhe:
Eine Winterruhe ist bei den meisten Thamnophis angebracht,
aber nicht zwingend notwendig.
Möchte man allerdings eine erfolgreiche Zucht im nächsten
Jahr erreichen, ist es ratsam eine Winterruhe durchzuführen. Die
Tiere sollten für 6-8 Wochen bei einer Temperatur um die 8-10 °C
überwintert werden. Genauere Angaben zur Durchführung und Einleitung
der Winterruhe gibt es hier zu lesen...
Zucht:
Nach dem Aufwachen aus der Winterruhe erfolgt meist rasch die erste
Häutung der Weibchen und unmittelbar danach ist die Paarungsbereitschaft besonders
hoch. Es ist somit ratsam nach der Überwinterung die Tiere noch kurze
Zeit nach Geschlechtern getrennt zu halten und erst nach der ersten Häutung
des Weibchens zusammenzusetzen.
Nach erfolgter Befruchtung dauert die Tragzeit etwa 90 Tage. Auch
Angaben von 60 bis hin zu 140 Tagen sind in der Literatur zu finden.
Im Gegensatz zu vielen anderen Schlangen sind Thamnophis ovovivipar (oder wissenschaftlich genauer euvivipar), das heißt, dass die Weibchen
ihre Jungtiere erst voll ausgebildet und lebend absetzen. Die Jungtiere sind bei der Geburt nur noch von einer dünnen durchsichtigen Eihülle
umgeben. Diese Eihülle
muss direkt nach dem Absetzen von den Jungtieren durchstoßen werden,
da es sonst zum Erstickungstot der Kleinen kommt.
Der Wurf eines Thamnophis-Weibchens umfasst in der Regel 10-20 Jungtiere von jeweils etwa 15-20 cm Länge und 2-3 g Gewicht.
Es ist jedoch auch schon von Würfe mit mehr als 80 Jungtieren berichtet worden.