Quarantäne

Bei der Quarantäne handelt es sich um einen Bereich in der Terraristik, dem unbedingt große Aufmerksamkeit zukommen sollte.
Leider beachten nicht alle Halter von Reptilien und anderen Tieren die einfachen Grundsätze der Quarantänehaltung und setzten somit sowohl ihre neuen, als auch ihre schon vorhandenen Schützlinge einem erhöhten Gesundheitsrisiko aus. Dabei bedeutet eine richtig durchgeführte Quarantänehaltung nur einen geringen Mehraufwand an Zeit und Arbeit, kann aber viel an Ärger und Kosten ersparen!

Die Fragen, die beantwortet werden müssen sind: warum? was? wann? wie?

Warum?

Diese Frage wird meist nicht vollständig bedacht und daher wird eine Quarantänehaltung manchmal mit einem Schulterzucken vernachlässigt. Dabei können die Folgen bei einer Nichtdurchführung der Quarantäne imense Ausmaße annehmen. Im schlimmsten Fall kann diese Missachtung zum Tod eines oder mehrerer Tiere führen, zumindestens aber zu einer hohen finanziellen Belastung.
Nehmen wir an, dass unser neues Tier Milben hatte, was bei WF sehr häufig vorkommt, dann werden diese Milben sich sofort in dem gesamten Terrarium ausbreiten. Wenn wir den Befall bemerken ist ein großer Aufwand von Nöten, um die Milben restlos zu vernichten. Das komplette Terrarium muß ausgeräumt werden, alle Gegenstände müssen abgekocht und desinfiziert werden. Alle Gegenstände, bei denen dies nicht möglich ist, müssen vernichtet und durch neue ersetzt werden. Der Bodengrund muß komplett ausgewechselt werden. Besitzt man nicht nur ein Terrarium, sondern zwei, drei oder mehr, muß diese Prozedur unter Umständen bei allen Terrarien durchgeführt werden. Neben dem Arbeitsaufwand fallen hierbei meist große Kosten für Neuanschaffungen an. Korkgegenstände müssen normalerweise immer ausgewechselt werden, da sie sehr viele Ritzen und Hohlräume bieten, in denen sich die Milben verstecken können und zuweilen auch alle Abtötungsversuche überleben.
Hat unser Tier eine Lungenentzündung oder Innenparasiten, so ist eine Ansteckung der anderen Beckeninsassen vorprogrammiert. Um den Bestand nicht zu verlieren werden dann Arztkosten fällig, die bei mehreren Tieren entsprechend höher sind, als wenn man gleich nur das erste Tier behandelt hätte.
So gibt es noch viele andere Dinge, die mit einer simplen Quarantänehaltung hätten vermieden werden können, die bei Nichtdurchführung aber schwerwiegende Folgen haben werden.

Daher ist eine Nichtdurchführung einer Quarantäne schon als grob fahrlässig zu beurteilen und zeugt von keinem großen Verantwortungsbewußtsein den eigenen Tieren gegenüber!

Was brauche ich?

Zum Durchführen einer Quarantäne sind nicht viele Dinge nötig. Um eine einzelne Strumpfbandnatter in Quarantäne zu halten benötigt man lediglich eine kleine Faunabox von L 40 x B 30 x H 20 cm (bei mehreren Tieren muss ein entsprechend größerer Behälter gewählt werden), eine Lichtquelle (ich benutze hierzu eine alte Aquarienabdeckung), ein Trinkgefäß, eine Futterschale, einen Stein als Häutungshilfe und etwas Küchenkrepp als Untergrund sowie Toilettenpappierpapprollen oder Eierkartons als Verstecke. Die Kosten für diese Dinge halten sich wirklich in Grenzen und hat man sich erst mal eine Box und das Licht angeschafft, fallen praktisch keine Mehrkosten mehr an.
Zu beachten bleibt allerdings, dass diese Dinge nur für die Quarantänehaltung genutzt werden dürfen und keines Falls zur Benutzung in der bestehenden Terrarienanlage kommen dürfen! Um eine Verwechslung der Gegenstände zu vermeiden ist eine Kennzeichnung sehr zu empfehlen.

Ein Quarantänebecken!

Was muß ich machen?

Wenn ein neues Tier erworben wurde und zuhause angekommen ist, muss es gleich in das Quarantänebecken gesetzt werden. Prophylaktisch kann man sofort mit einer Milbenbekämpfung beginnen, wozu man mehrere Optionen hat. Hierzu werde ich im Krankheitenbereich mehr berichten. Der Vorzug bei der Quarantänehaltung ist hierbei, dass man tote Milben sehr leicht auf dem weißen Krepppapier als kleine schwarze oder rote Punkte erkennen kann. Solange die Milben leben und am Tier haften ist ein geringer Milbenbefall nur schwer zu erkennen und allzu schnell hat man sich diese Plagegeister wegen eines ungerechtfertigten Sicherheitsgefühls in den Altbestand geholt.
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sollte man versuchen dem Tier Futter anzubieten. Den ersten Kot kann man dann gleich nutzen, um ihn zu einer Kotuntersuchung zu bringen. Hierbei bleibt zu beachten, dass der Kot möglichst frisch ist und noch nicht eingetrocknet. Hat man keinen versierten Tierarzt in erreichbarer Nähe kann man seine Kotprobe auch zu exomed schicken. Das Ergebnis inklusive Behandlungsvorschlag liegt meist innerhalb von zwei bis drei Tagen vor und die Kosten halten sich durchaus in einem akzeptablen Rahmen. Was hierbei zu beachten ist, wird auf der Homepage von exomed erklärt.
Zu den täglichen Aufgaben gehört auf jeden Fall die gründliche Beobachtung des Neuzugangs. Eventuelle Annomalien im Verhalten, seltsame Konsistenz des Kotes, laute Atemgeräusche, Verfärbugen der Mundschleimhäute oder Schleimbildung können/sind Anzeichen für eine Krankheit sein und müssen zu einem Besuch beim Tierarzt führen!

Wann?

Diese Frage kann man kurz beantworten: sobald ein neues Tier nachhause geholt wird, muß es in das Quarantänebecken! Am besten steht dieses schon vorbereitet und in Betrieb genommen zuhause. Kontakte mit dem bestehenden Tierbestand müssen unbedingt vermieden werden. Nachdem das neue Tier in sein Quarantänebecken gesetzt wurde müssen die Hände gewaschen werden, um dann gefahrlos in den alten Becken arbeiten zu können. Das Waschen der Hände ist natürlich auch später immer dann notwendig, wenn man mit dem Quarantänebereich in Kontakt gekommen ist.

Wie?

Die Quarantäne richtig durchzuführen ist nicht sehr schwer, wenn man einige Dinge immer im Kopf behält:

Kein Kontakt zwischen Quarantänebereich und Altbestand. Hierbei sollte man auch bedenken, dass zum Beispiel Milben dazu in der Lage sind kürzere Distanzen durch die Wohnung zu laufen, daher sollte auch für eine gewisse räumliche Distanz zwischen Quarantänebecken und Terrarienanlage gesorgt werden.

Für penible Sauberkeit im Quarantänebecken sorgen. Wasserwechsel, sowie das Wechseln des Küchenkrepps gehören defintiv zu den täglichen Pflichtaufgaben.

Nicht zu früh der Versuchung nachgeben, die neuen Tiere in den Altbestand integrieren zu wollen. Eventuell in der Kürze der Zeit unentdeckt gebliebene Erkrankungen können in den Altbestand geschleppt werden, genauso wie Milben, die nicht vollständig vernichtet wurden.

Die Quarantäne sollte in der Regel bei WF mindestens sechs bis acht Wochen dauern. Bei NZ vom Züchter kann unter bestimmten Umständen eine kürzere Zeit schon ausreichend sein. Auf jeden Fall muß die Quarantäne so lange durchgeführt werden, bis eventuelle Behandlungen, resultierend aus dem Befund der Kotuntersuchung, abgeschlossen und durch eine erneute Kotuntersuchung als erfolgreich behandelt befundet wurden.